Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Und ewig grüßt das Frühstücksei


„Frau Müller, können wir jetzt endlich frühstücken?! Oder müssen Sie noch irgendwelche ausgesprochen wichtige, schon tausendmal wiederholte Statements in die Welt hinaus flöten?“

„Huch, wie sind Sie denn heute drauf? Schlecht geschlafen oder einfach nur übermütig? Fangen Sie doch einfach schon mit dem Frühstücken an.“

„Damit ich mir dann wieder stundenlang anhören muss, dass ich ein egoistisches Mannsbild sei, dass nicht mal fünf Minuten warten könne, um gemeinsam am Tisch zu sitzen? Nein Danke!“

„Aha! Vorauseilender Gehorsam! Dachte ich es mir doch. Schon mal was von dem Autoritären Charakter gehört? Erkläre ich Ihnen gerne.“

„Frau MÜLLER! Können wir nicht einfach mal frühstücken ohne moralisierende Vorträge und ganz normale Tischgespräche führen? So über Gartenarbeit, Einkaufslisten, Nachbarschaftstratsch?“

„Klar, können wir. Kann ich auch. Wussten Sie, dass es immer weniger Insekten gibt und dass in den Discountern immer öfters nur der Mindestlohn, der ja zum Sterben zu viel, zum Leben aber zu wenig ist, gezahlt wird? Ach ja, und der Junge von den Schröders ist jetzt auch in die AfD eingetreten. War ja abzusehen. Meinten Sie solche Gespräche? Können wir gerne ausbauen.“

„Ich gebe es auf.“

„Na na, wer wird denn gleich resignieren, Sir! Das ist doch keine Haltung! Wo bleiben denn da die Zivilcourage und der Widerstand! Das ist doch gefragt jetzt. Da können Sie sich doch nicht einfach wegducken! Rückgrat ist angesagt. Auch von Ihnen. Also wirklich. So, und jetzt lassen Sie uns endlich frühstücken, Sie brauchen wirklich immer ewig, bevor wir endlich beginnen können. Ich bin ja schon am Verhungern. Schmieren Sie mir am besten gleich zwei Brötchen. Danke!“