Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Adäquates Gegenüber


„Frau Müller, es nervt!“

„Was denn?“

„Sie rennen seit den frühen Morgenstunden durchs Haus und zitieren lauthals und unmelodisch irgendwelche Texte.“

„Ich zitiere nicht, ich diskutiere!“

„Mit wem denn? Mit den Wänden, dem Fußbodenbelag oder dem Treppengeländer?“

„Ich diskutiere mit dem einzigen Wesen im Haus, das mir wirklich zuhört und nach dem dritten Komma im Satz nicht anfängt entnervt zu schielen. Jenes Wesen, das Zitate, die länger sind als ein Twitter Post, goutieren und mit ebensolchen antworten kann. Mit jenem Menschen, der meinen querliegenden Argumenten und sprunghaften Assoziationen folgen und deren Schönheit mit einem Lächeln begleiten kann, ohne sich darin zu verheddern.“

„Häh?“

„Genau. Das meinte ich.“