Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Werden


„Manchmal wäre ich so gerne wie Sie, Frau Müller.“

„Wie meinst du denn das jetzt?“

„Nun, Sie als Therapeutin haben doch mit all dem Mist und den Problemen der Psyche so gar nichts mehr zu tun. Sie haben ja für alles eine Lösung.“

„Tschuldige, ich liege gerade lachend unterm Tisch. Wie kommst du denn auf so einen albernen Gedanken? Ich bin doch keine Maschine. Auch ich kenne, wie jeder Mensch, Selbstzweifel, Eifersuchtsdramen, Verzweiflung, Heimsuchungen vergangener Geister, egomanische Anfälle, Vorurteile, Dummheiten, Macken, längst vergangen geglaubten Schmerz, etc...  Auch ich bin meiner quirligen Psyche ab und an restlos ausgeliefert, fühle mich schwach, hilflos, überfordert, jämmerlich, ungerecht, aggressiv, und vieles mehr. Der einzige, kleine Unterschied ist vielleicht, dass ich damit anders umgehe als du. Ich wehre mich nicht dagegen. Ich kämpfe nicht damit, sondern nehme es als Teil von mir an und über vieles davon kann ich mittlerweile kichern. Manches schau ich mir noch einmal genauer an und lerne daraus. Manches nehme ich wohlwollend und gelassen als Teil meines Selbst an und lasse es einfach so sein, wie es ist. Und manches bringt mich zur Weißglut und ich bemühe mich auf allen Wegen darum es zu verstehen und es zu verändern.

„Sag ich doch, ich will so werden wie du!“

„Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass du endlich erkennen und werden willst, wer und wie du bist. Dabei könnte ich dich begleiten. Das andere, wäre nur wieder eine Mauer, die dich daran hindert, dich endlich selbst anzusehen und am Bau dieser würde ich mich nicht beteiligen wollen.“  

„Darüber muss ich jetzt nachdenken.“

„Prima, dann sind wir ja schon einen Schritt weiter!“

(Es ist sehr spannend, wie mein Gegenüber manchmal, obwohl wir uns auf ein "du" geeinigt hatten, dann in der Konversation wieder hin und her wechselt. Bei Mitschriften erkenne ich im Nachhinein dann oft ein aufschlussreiches Muster.)