Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Brötchen holen


„Wo kommen Sie denn jetzt her?!“

„Ich war doch nur kurz Brötchen holen, Frau Müller.“

„Kurz? In der Zeit hätte ich Wäsche bügeln, Haus sanieren, Kurzurlaub machen und die Welt retten können. Was trödeln Sie bloß immer so rum! Der Kaffee ist auch schon kalt.“

„Wollen Sie jetzt ein Brötchen, oder nicht?“

„Ja klar doch! Ist es denn noch schön warm?“

„Eher nicht.“

„Na, sag ich doch, von wegen kurz mal holen.“

„Immerhin bin ich wiedergekommen!“

„Stimmt. Das sei Ihnen mal hoch angerechnet. Dafür bekommen Sie ein Glitzersternchen.“

Kiste


„In meinem Schrank gibt es eine schön verarbeitete Kiste mit Strümpfen und Socken. Trotz aller äußeren Schönheit ärgert sie mich laufend: Wenn ich Strümpfe in ihr suche, dann entrolle ich mindestens neun Söckchen um ein einziges Paar Strümpfe zu finden. Eine Stunde später such ich in der gleichen Kiste Socken und hab nur Strümpfe in der Hand.“

„Eine Form von schräger Kommunikation?“

„Häh?“

„Na ja, vielleicht will sie Ihnen was mitteilen?“

„Was könnte mir eine Kiste mit solch nervenden Spielchen wohl mitteilen wollen?“

„Das sie einsam ist und gerne noch eine Kiste an ihrer Seite hätte? So eine nur für Socken und eine nur für Strümpfe?“

„Oh, Sie schenken mir eine neue Kiste! Sie sind ja süß!“

„Stopp! Ich bin hier nur der Übersetzer oder Überbringer der möglichen Botschaft. Sonst nix.“

„Ach, war da nicht mal was mit Kopf ab für den Boten? Erst erzählen Sie mir was von einer neuen Kiste. Machen mir quasi den Mund wässrig und dann verdrücken Sie sich? Das könnte heute ein miserabler, ein sehr miserabler Tag für Sie werden!“

„Okay, okay, ich hole nachher eine zweite Kiste.“

„Na also, geht doch! Noch ein Käffchen vorher?“

Klickfinger


„Klicken Sie ja keine Videos im Messenger an, das könnten Pornos sein, Frau Müller!“

„Ach ja?“

„Die Hacker könnten auch welche in Ihrem Namen versenden!“

„Ach.“

„Regt Sie das nicht auf?“

„Nöh. Wenn sie gut gemacht sind, dann ist es doch okay. Und wenn sie Schrott sind, dann wischt man sie einfach weg.“

„Frau Müller, Sie verstehen das Problem nicht!“

„Doch. Ernsthaft. Deshalb öffne ich prinzipiell nix, auf dessen Absendung man mich nicht vorher ausdrücklich hingewiesen hat. Das ganze oben genannte System funktioniert doch nur, weil manche nen Klickfinger haben, der schneller ist als ihr Gehirn.“

Früher


„Früher war alles besser!“

„Ja, Eis auf dem morgendlichen Waschwasser, Eisblumen auf den Fensterscheiben und kein Holz zum Heizen mehr im Haus.“

„Ich meine so in der Gesellschaft überhaupt!“

„Kinderarbeit, Säuglingssterblichkeit, niedrige Lebenserwartung überhaupt?“

„Der Zusammenhalt der Menschen untereinander!“

„Sklaverei auf den Baumwollfelder, gemeinsames Verrecken in den Kohlegruben, Volksgemeinschaft unter den Nazis, Schwulenklatschen und Berufsverbote?“

„NEIN! Das nicht, mehr so in den Familien...“

„Züchtigungsrecht der Eltern, jungfräulich in die Ehe, Eigentum des Mannes an Frauen und Kinder?“

„Die Eisblumen. Die Eisblumen an den Fenstern waren aber wirklich schöner!“

Gefühlte Fakten


„Draußen scheint die Sonne und es ist richtig warm!“

„Ja klar, erster April und so.“

„Warum sind Sie nur immer so negativ, Frau Müller?“

„Weil ich, während Sie noch gepennt habe, schon in der Kälte bibbernd mit Pauli Gassi war. Außerdem habe ich von meinem Fensterplatz aus einen direkten Blick auf die trüben Wolken da draußen.“

„Fantasie, Frau Müller, Ihnen fehlt es einfach an Fantasie!“

„Und Sie sind Fakten resistent. Aber gut, wenn Sie meinen es sei mild und sonnig draußen, dann dürfen Sie heute den Hof kehren und die Stühle abwaschen, damit wir dann gemütlich draußen sitzen können.“

„Ähm, so habe ich das jetzt aber nicht gemeint.“

„Ich aber schon. Und das ist kein Aprilscherz. Also, die Bermudas an und raus mit Ihnen.“