Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Osterhasi


„Bei Karstadt heißt der „Osterhase“ jetzt „Traditionshase“. Unsere ganze christliche Kultur geht den Bach runter!“

„Jesses aber auch. Was machst du übrigens Ostern?“

„Ich bin mit der Familie unterwegs.“

„Oh, die ganze Familie. Ist ja eine heiße Woche vor und an Ostern. Palmsonntag und dann die Karwoche mit Chrisammesse, Triduum Sacrum, Vigilfeier, und, und, und. Da kommt ihr ja aus der Kirche gar nicht mehr raus.“

„Häh? Wieso Kirche? Ich gehe doch nicht in die Kirche! Sind Sie deppert, Frau Müller?“

„Oh, ich dachte nur, so von wegen christliche Kultur, und so.“

Fürsorgepflicht


„Jetzt habe ich doch noch eine Kleinigkeit für die Kinder. Kein Grund dafür, ich weiß. Aber, irgendwie.“

„Ach, machen Sie sich keinen Kopf, Frau Müller. Sie befriedigen eben Ihr eigenes inneres Kind. Das ist schon okay.“

„Was reden Sie denn da für einen Stuss?! Was hat das mit meinem Inneren zu tun. Ich spiel ja nicht. Ich schenk bloß gerne.“

„Sie spielen nicht? Und warum sammeln Sie dann die ungemochten Kuscheltiere bei sich? Den Grüffolo und das Monsterchen? Den kleinen Drachen und die kaputten Feen? Und wer bricht in Mitgefühl aus, wenn KleinMadame ihre Puppen lieber nackert durch die Gegend schleppt und zieht diese mit Hartnäckigkeit immer und immer wieder an?“

„Ich gewähre den einen nur Asyl, und pass auf sie auf. Und da es Winter ist, betuche ich die anderen nur, damit sie sich nicht erkälten.

„Und legen sie sich ins Bett, verteilen wärmende Deckchen und Streicheleinheiten mehrmals am Tag.“

„Das ist reine Fürsorge. Für Wesen, die man bei sich aufnimmt, hat man eben auch eine Fürsorgepflicht!“

„Wer spricht da jetzt gerade mit mir? Das Kind, oder die erwachsene Frau?“

„Häh? Ich streichle Ihnen doch auch ab und an mitfühlend übers dummgebeutelte Köpfchen, Sir! Das würde ein Kind niemals tun!“

„ICH bin ja auch kein Spielzeug!!!“

„Ach nein?!“

Ostereierlei


„Ich brauch dringend neue Sommershirts. Die alten sind viel zu eng.“

„Abnehmen käme eindeutig billiger, Frau Müller!“

„Sie haben mit dieser Bemerkung gerade ihr tolles, einmaliges, wunderbares Ostergeschenk, welches ich sehr bedachtsam ausgesucht hatte, an ein sozial kompatibleres Wesen weitergereicht, Sir.“

„SIE hatten ein Ostergeschenk?!“

„Klar, so egoistisch wie ich veranlagt bin, nutze ich jede, aber auch wirklich jede noch so abstruse Gelegenheit um meinen pathologischen Altruismus zu befriedigen.“

Grenzsetzungen


"Was gucken Sie denn so böse, Frau Müller?"

"Ich bin genervt."

"Vom Wetter etwa?"

"Quatsch, das ist wie es ist."

"Also, was?"

"Ich musste mal wieder jemand aus dem hiesigen Netzwerk entfernen. Sowas ärgert mich halt. Aber, es gibt so Grenzen, die kann und will ich nicht überschreiten lassen. Meint, ich bin sehr geduldig und eine andere Meinung stört mich auch nicht. Im Gegenteil, es macht mir Spaß, wenn diskutiert wird. Aber, es darf nicht persönlich werden und schon gar nicht unter die Gürtellinie zielen. Das erlaube ich niemandem im realen Leben, also, warum sollte ich es hier?"

"Rechtfertigen Sie sich gerade, Frau Müller?!"

"Ja, scheint so. Da bricht die Therapeutin durch, die Kommunikation nicht verweigern will."

"Wie war der Grundsatz? Keine Begleitung ohne Auftrag! Niemals! Sie können nicht jeden retten!"

"Blablabla. Ich weiß."

"Und?"

"Sie haben recht."

"Na, also!"

"Aber nur dieses eine Mal! Ausnahmsweise! Und auch nur ein klitzekleinwenig! Und jetzt reichen Sie mir endlich die Kartoffeln, oder wollen Sie die alleine essen?"

BER


„Was fällt Ihnen zum Flughafen BER ein, Frau Müller?“

„Hätte ich ein Aluhütchen auf, würde ich glatt sagen, dass hört sich ganz nach einem riesigen Geldwäschegeschäft an. Ich trage aber heute mein Zipfelmützchen und deshalb sag ich nix.“

Es waren die!


„Das waren die Russen. Ganz sicher waren es die Russen.“

„Du immer mit deinen Russen.“

„Hast du was gegen Russen, häh? Bist du Rassistin, oder was?“