Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Gespräch am Küchentisch

Mensch: „Heute ist ein blöder Tag.“

Herr Schuld: „Das ist deine schuld! Alle freuten sich schon seit Wochen auf einen schönen Tag, aber nein, du musst es ja wieder vermasseln.“

Madame Depression: „Oh stimmt, du hast recht, der Tag ist ganz trübe, die Sonne geht nicht auf. Es wird bestimmt noch schlimmer.“

Mister YouCanNotDoIt: „Egal was du machst, es wird sich eh nix dran ändern. Du hast noch nie was hinbekommen, schon gar nicht, wenn es wirklich wichtig war. Auf dich kann man sich einfach nicht verlassen! Du bekommst kein anständiges Leben auf die Reihe und so einen banalen Tag schon gar nicht.“

Frau Klein: „Hilfe, wir brauchen Hilfe. Du schaffst das nicht! Aber, da ist niemand. Da ist so gar niemand. Wir sind allein. Hilfe.“

Herr Vater: „Was habe ich nur falsch gemacht in meinem Leben, dass ich mit so einem Nichtsnutz wie dir geschlagen wurde! Du hast mich schwer enttäuscht.“

Mensch: „Seid endlich still!“

Madame Depression: „Es war schon immer dunkel. So dunkel, so leer, so unendlich leer.“

Herr Schuld: „Das fing schon mit deiner Geburt an. Mein Leben war ab da ein einziges Chaos. Es hätte so toll sein können. Ich war so begabt, aber du hast alles zerstört. All meine Träume hast du kaputt gemacht!“

Frau Mutter: „Du bist jetzt erwachsen, übernimm gefälligst endlich die Verantwortung! Es ist deine Pflicht. Du hast dich um uns zu kümmern, dass ist die Aufgabe eines guten Kindes! Sorg dafür, dass es uns gut geht, wir haben genug für dich geopfert!“

Frau Klein: „Keiner hat mich lieb. Ich mach alles falsch. Man kann mich ja gar nicht lieb haben.“

Madame Depression: „Kalt, es wird immer kälter. Die Sonne wie nie mehr richtig aufgehen. Nie mehr!“

Mister YouCanNotDoIt: „Du wirst diesen Tag nicht retten können. Versuche es erst gar nicht, es kommt eh nichts Gutes dabei raus. Du bist schlichtweg unfähig dazu.“

Herr Schuld: „Du bist schuld, schuld, schuld!“

Herr Vater: „Was ist nur aus meinem süßen, kleinen Kindlein geworden?! So viel Potential. Jede Tür wurde dir geöffnet, jeder Stein wurde dir aus dem Weg geräumt. Du hast jede mögliche Unterstützung bekommen. Andere Kinder wären dankbar dafür. Und du? Ich schäme mich für dich!“

Frau Mutter: „Ich habe mir das ganz anders mit dir vorgestellt. Ich habe so viel für dich getan und aufgegeben und jetzt schaffst du es nicht mal, mir einen, nur einen einzigen schönen Tag zu schenken.“

Frau Klein: Ich bin so allein.

Im Chor und schunkelnd: „Du bist schuld, du bist schuld, du bist schuld!“

Mensch: „HÖRT JETZT AUF! SOFORT! Raus, einfach raus hier! Ich habe euch nicht eingeladen, verschwindet endlich!“

Alle huschen beleidigt zu Tür raus. Doch hört man sie miteinander tuscheln. Sie tuscheln immer vor der Tür. Immer. Und sie kommen wieder. Ohne Einladung. Immer!