Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Realitäten

„Das Dreckspack soll endlich aus meiner Heimat verschwinden!“

„Das ist rassistisch.“

„Wären nicht so viele Ausländer da, dann wäre ich auch nicht rassistisch.“

„Ach? Wie viele Ausländer leben denn in deinem Ort?“

„Bisher zum Glück gar keine!“

*Anmerkung
Keine Ahnung, wo dieser Mensch wohnt. 

Befindlichkeiten

„Es geht mir gut.“

„Na, das ist ja mal eine Erkenntnis am frühen Morgen, Frau Müller. Haben Sie noch keine Medienschau gemacht heute?“

„Dazu brauch ich keine Nachrichten. Ich stell mich vor den Spiegel und schau mich selbstkritisch an: Keine Rückenbeschwerden, kein Kopfweh, nix mit Magen oder sonstigen Innereien, kein Zittern, keine Gelenkschmerzen, keine trüben Augen, kein Schwindel, kein Haarausfall, keine Hautprobleme. Alles im grünen Bereich.“

„Nun, ein wenig dick und schwerfällig sind Sie aber schon. Und war da nicht auch etwas mit Diabetes zwei?“

„Boah, Sie oller Miesepeter. Das sind aber doch Sachen, die ich steuern kann. Bewegung. Die Zuckerwerte und das Gewicht sinken, sobald ich mehr als fünftausend Schritte mache. Wissen wir doch.“

„Ach, deshalb steht jetzt das Monstrum von einem Stepper wieder im Büro. Der ist, glaube ich, so alt wie Sie. Nur, dass Sie in Bewegung nicht so quietschen wie er.“

„Sagen wir mal so: Sie sind ein freundlicher Mensch. So unterm Strich. Aber, Sie sind alles andere als ein begnadeter Motivationscoach. Und weil das so ist, sind Sie heute für den Kaffee zuständig. Also, hopp, hopp, schleichen Sie sich schon in die Küche.“

„Aber.“

„Nix aber! Ein bisschen Bewegung tut Ihnen auch gut!“

„Wir haben aber eine Regel und nach der wären Sie heute dran mit dem Frühstück machen!“

„Flexibilität, alter Mann! Flexibilität ist eine der wesentlichen Zutaten von Beweglichkeit und trägt ausgesprochen viel zum Wohlfühlen bei. Und Sie wollen sich doch wohlfühlen, oder? Na, sehen Sie! Ich hätte heute Morgen gerne zwei Spiegeleier mit Kresse und den Kaffee bitte in der weißen Tasse.“ 

Gespräch am Küchentisch

Mensch: „Heute ist ein blöder Tag.“

Herr Schuld: „Das ist deine schuld! Alle freuten sich schon seit Wochen auf einen schönen Tag, aber nein, du musst es ja wieder vermasseln.“

Madame Depression: „Oh stimmt, du hast recht, der Tag ist ganz trübe, die Sonne geht nicht auf. Es wird bestimmt noch schlimmer.“

Mister YouCanNotDoIt: „Egal was du machst, es wird sich eh nix dran ändern. Du hast noch nie was hinbekommen, schon gar nicht, wenn es wirklich wichtig war. Auf dich kann man sich einfach nicht verlassen! Du bekommst kein anständiges Leben auf die Reihe und so einen banalen Tag schon gar nicht.“

Frau Klein: „Hilfe, wir brauchen Hilfe. Du schaffst das nicht! Aber, da ist niemand. Da ist so gar niemand. Wir sind allein. Hilfe.“

Herr Vater: „Was habe ich nur falsch gemacht in meinem Leben, dass ich mit so einem Nichtsnutz wie dir geschlagen wurde! Du hast mich schwer enttäuscht.“

Mensch: „Seid endlich still!“

Madame Depression: „Es war schon immer dunkel. So dunkel, so leer, so unendlich leer.“

Herr Schuld: „Das fing schon mit deiner Geburt an. Mein Leben war ab da ein einziges Chaos. Es hätte so toll sein können. Ich war so begabt, aber du hast alles zerstört. All meine Träume hast du kaputt gemacht!“

Frau Mutter: „Du bist jetzt erwachsen, übernimm gefälligst endlich die Verantwortung! Es ist deine Pflicht. Du hast dich um uns zu kümmern, dass ist die Aufgabe eines guten Kindes! Sorg dafür, dass es uns gut geht, wir haben genug für dich geopfert!“

Frau Klein: „Keiner hat mich lieb. Ich mach alles falsch. Man kann mich ja gar nicht lieb haben.“

Madame Depression: „Kalt, es wird immer kälter. Die Sonne wie nie mehr richtig aufgehen. Nie mehr!“

Mister YouCanNotDoIt: „Du wirst diesen Tag nicht retten können. Versuche es erst gar nicht, es kommt eh nichts Gutes dabei raus. Du bist schlichtweg unfähig dazu.“

Herr Schuld: „Du bist schuld, schuld, schuld!“

Herr Vater: „Was ist nur aus meinem süßen, kleinen Kindlein geworden?! So viel Potential. Jede Tür wurde dir geöffnet, jeder Stein wurde dir aus dem Weg geräumt. Du hast jede mögliche Unterstützung bekommen. Andere Kinder wären dankbar dafür. Und du? Ich schäme mich für dich!“

Frau Mutter: „Ich habe mir das ganz anders mit dir vorgestellt. Ich habe so viel für dich getan und aufgegeben und jetzt schaffst du es nicht mal, mir einen, nur einen einzigen schönen Tag zu schenken.“

Frau Klein: Ich bin so allein.

Im Chor und schunkelnd: „Du bist schuld, du bist schuld, du bist schuld!“

Mensch: „HÖRT JETZT AUF! SOFORT! Raus, einfach raus hier! Ich habe euch nicht eingeladen, verschwindet endlich!“

Alle huschen beleidigt zu Tür raus. Doch hört man sie miteinander tuscheln. Sie tuscheln immer vor der Tür. Immer. Und sie kommen wieder. Ohne Einladung. Immer!

GroKo

„Sind Sie auch so nervös wegen dem SPD Entscheid heute, Frau Müller?“

„Nein.“

„Wie nein? Machen Sie sich keinen Kopp drum, wer künftig regiert?“

„Nöh.“

„Aber.“

„Ne.“

„Wo sind Sie denn mit Ihrem Kopp, Frau Müller?“

„Die Türkei bombardiert unter anderem gerade Flüchtlingslager in Nordsyrien. Ob das Teil des Deals mit der BRD ist? Wir bekommen Panzer, dafür lösen wir für euch einen Teil des Flüchtlingproblems, indem wir die Lager dort einfach tot bombardieren?“

„Nana, Frau Müller, so unverschämt unmenschlich und kaltschnäuzig denken auch die nicht.“

„Ach ja? In diesem Fall sind Sie mehr als blauäugig. Denen gehen Menschenleben in ihren Kalkulationen am Arsch vorbei. Und zur Groko nur das von meiner Seite: Alles die gleiche, elendige Mischpoke. Es geht um Macht und Gier. Um Sie und mich ging es noch nie. Und dieses Einknicken vor rechten und menschenrechtsverachtenden Positionen für den eigenen Machterhalt hat Tradition. National und international.“

„Jetzt kommen Sie mal wieder runter, Frau Müller! Regen Sie sich nur nicht so auf. Denken Sie an Ihr Herz!“

„Runter kommen? Ich bin noch gar nicht mal ansatzweise hoch gelaufen. Und mein Herz? Das schreit und weint ob all dem Scheiß in der Welt. Und funktioniert ansonsten prima.“