Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Optimismus

„Hören sie mal, welch ein schöner Text von dem Martin Lütz: Wenn man als Psychiater und Psychotherapeut abends Nachrichten sieht, ist man regelmäßig irritiert. Da geht es um Kriegshetzer, Terroristen, Mörder, Wirtschaftkriminelle, eiskalte Buchhaltertypen und schamlose Egomanen – und niemand behandelt die. Ja, solche Figuren gelten sogar als völlig normal. Kommen mir dann die Menschen in den Sinn, mit denen ich mich den Tag über beschäftigt habe, rührende Demenzkranke, dünnhäutige Süchtige, hochsensible Schizophrene, erschütternd Depressive und mitreißende Maniker, dann beschleicht mich mitunter ein schlimmer Verdacht: Wir behandeln die Falschen! Unser Problem sind nicht die Verrückten, unser Problem sind die Normalen.“

„Frau Müller, diese "Erkenntnis" ist wohl schon so alt, wie die Menschheit als solches. Nur, geändert hat sich daran in über tausend Jahren sozio-kultureller Entwicklungsgeschichte nie nichts.“

„Steter Tropfen höhlt den Stein, deshalb wiederhole ich diese Erkenntnis halt die nächsten hundert Jahre immer wieder. Irgendwann greift es, ich bin da total optimistisch.“

„Liebe Frau Müller, nach tausenden Jahren sollte man vielleicht endlich den Mut haben zur Erkenntnis, dass Menschen nun einmal von Grund auf schlecht sind. Ihr Engagement und Ihren Optimismus in Ehren, aber in hundert Jahren verweilen wir beiden längst anderswo und, dann kann es uns egal sein.“

„Oh, mein Optimismus reicht für die Ewigkeit und mein Mut ist grenzenlos und meine Gewissheit, dass der Mensch ein wunderbares Wunder mit einem riesigen, bisher ungenutzten Potential ist, ist tiefer als die tiefste Tiefe und egal ist mir nix und wird es auch nie sein.“