Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Gequatsche


„Du bist doch ein linksgrünversiffter Gutmensch!“

„Meinst du das negativ?“

„Klar!“

„So als Gegenteil zu dir?“

„Klar, ich bin das genaue Gegenteil von dir.“

„Also bist du ein Rechter. Dir geht die Umwelt am Arsch vorbei. Mit Unordnung und ein wenig Dreck kommste nicht klar. Du bist ein schlechter Mensch. Mensch biste aber, oder?“

„Du beleidigst mich gerade!“

„Nö, das bekommst du schon selbst ganz gut hin.“

Adäquates Gegenüber


„Frau Müller, es nervt!“

„Was denn?“

„Sie rennen seit den frühen Morgenstunden durchs Haus und zitieren lauthals und unmelodisch irgendwelche Texte.“

„Ich zitiere nicht, ich diskutiere!“

„Mit wem denn? Mit den Wänden, dem Fußbodenbelag oder dem Treppengeländer?“

„Ich diskutiere mit dem einzigen Wesen im Haus, das mir wirklich zuhört und nach dem dritten Komma im Satz nicht anfängt entnervt zu schielen. Jenes Wesen, das Zitate, die länger sind als ein Twitter Post, goutieren und mit ebensolchen antworten kann. Mit jenem Menschen, der meinen querliegenden Argumenten und sprunghaften Assoziationen folgen und deren Schönheit mit einem Lächeln begleiten kann, ohne sich darin zu verheddern.“

„Häh?“

„Genau. Das meinte ich.“

Zeit vergeuden?


„Sie verbringen zu viel an Zeit mit Apfeltörtchen, Spielereien, Teetrinken und Müßiggang“

„Immer noch besser als mit Lügen, Hass, Morden und Kriegstreiberei.“

„Auch wieder wahr. Reichen Sie mir doch bitte noch ein Törtchen. Danke!“

Werden


„Manchmal wäre ich so gerne wie Sie, Frau Müller.“

„Wie meinst du denn das jetzt?“

„Nun, Sie als Therapeutin haben doch mit all dem Mist und den Problemen der Psyche so gar nichts mehr zu tun. Sie haben ja für alles eine Lösung.“

„Tschuldige, ich liege gerade lachend unterm Tisch. Wie kommst du denn auf so einen albernen Gedanken? Ich bin doch keine Maschine. Auch ich kenne, wie jeder Mensch, Selbstzweifel, Eifersuchtsdramen, Verzweiflung, Heimsuchungen vergangener Geister, egomanische Anfälle, Vorurteile, Dummheiten, Macken, längst vergangen geglaubten Schmerz, etc...  Auch ich bin meiner quirligen Psyche ab und an restlos ausgeliefert, fühle mich schwach, hilflos, überfordert, jämmerlich, ungerecht, aggressiv, und vieles mehr. Der einzige, kleine Unterschied ist vielleicht, dass ich damit anders umgehe als du. Ich wehre mich nicht dagegen. Ich kämpfe nicht damit, sondern nehme es als Teil von mir an und über vieles davon kann ich mittlerweile kichern. Manches schau ich mir noch einmal genauer an und lerne daraus. Manches nehme ich wohlwollend und gelassen als Teil meines Selbst an und lasse es einfach so sein, wie es ist. Und manches bringt mich zur Weißglut und ich bemühe mich auf allen Wegen darum es zu verstehen und es zu verändern.

„Sag ich doch, ich will so werden wie du!“

„Können wir uns vielleicht darauf einigen, dass du endlich erkennen und werden willst, wer und wie du bist. Dabei könnte ich dich begleiten. Das andere, wäre nur wieder eine Mauer, die dich daran hindert, dich endlich selbst anzusehen und am Bau dieser würde ich mich nicht beteiligen wollen.“  

„Darüber muss ich jetzt nachdenken.“

„Prima, dann sind wir ja schon einen Schritt weiter!“

(Es ist sehr spannend, wie mein Gegenüber manchmal, obwohl wir uns auf ein "du" geeinigt hatten, dann in der Konversation wieder hin und her wechselt. Bei Mitschriften erkenne ich im Nachhinein dann oft ein aufschlussreiches Muster.)

„Rules are overrated“


„Ich hasse es, wenn der Drucker mir sagt, er sei nicht da. Und ich werde kirre, wenn er behauptet, er hätte keine Tinte mehr und mir dann beim Schütteln der Patrone eben diese durch ganze Zimmer spritzt. Ebenso bringt es mich an den Rand des Irrsinns, wenn ich alle Druckaufträge lösche und er dann nach Stunden auf einmal völlig wahllos mittendrin irgendwelche Seiten quasi kichernd raus rotzt. Wir beide haben heute eindeutig ein Kommunikationsproblem. Ich schmeiße ihn jetzt an die Wand!“

„Frau Müller, Frauuuuu Müüüüüller! Jetzt kommen Sie mal runter. Es ist kurz vor sechs und Sie kruscheln jetzt seit ner Stunde schon lauthals hier rum. Was ist eigentlich los? Worum geht es denn?“

„Der Drucker…“

„Stopp! Darum geht es doch nicht wirklich, oder?“

Frau Müller wandert schweigend kreisend im Zimmer rum.

„Also?“

„Saba hat seinen Kampf in Petersburg gewonnen.“

„Das ist doch gut!“

„Nein, ist es nicht. Er hat ihn gewonnen, nachdem dieser Idiot von Gegner ihm einen Soccer Kick verpasst hat. An den Kopf. Einfach so. Während er noch kniete. Regelwidrig. Unfair. Bekloppt. Der wurde dafür dann sofort disqualifiziert. So ein Arsch, so ein verdammter!“

„Nun, damit muss man in diesem Sport wohl rechnen. Gehört wohl dazu. Weiß man, wenn man sich darauf einlässt.“

„Blablabla. Er ist mein Sohn. Unterkieferbruch. Das ist kein Spaziergang. Ich darf wütend sein. Ich darf mir Sorgen machen. Das ist mein Recht!“

„Ja, dürfen Sie. Aber hören Sie auf, sich an dem armen Drucker auszutoben.“

„Na gut, dann streit ich mich jetzt halt mit Ihnen.“

„Wenn es sein muss, gerne. Kaffee?“

„Ja. Bitte. Und bringen sie die Küchenrolle mit. Ich muss jetzt mal ne Runde heulen.“

„Aber, aber, es wird alles gut! Streiten Sie sich bitte mit mir, ich kann es nicht aushalten, wenn Sie weinen.“

„Ich weine nicht, ich heule. Das ist ein echter Qualitätsunterschied.“

Quer


„Die ganzen ausländischen Frauen nehmen doch den deutschen Frauen die eh schon zu wenigen Plätze in den Frauenhäusern weg!“

„Ach?“

„Die ausländischen Männer sind eben brutal gegen ihre Frauen.“

„Die meisten deutschen Frauen sind doch immer noch mit deutschen Männern verheiratet, oder?“

„Ja natürlich. Und das ist auch gut so!“

„Und warum brauchen die dann die Plätze in den Frauenhäusern?“

Darf man das sagen?


„Sie dürfen doch das Tun von jemandem nicht durch vulgäre Wortwahl ab/bewerten!“

„Doch, manchmal schon. Reguliert meine Sozialverträglichkeit und innere Gesundheit aufs Beste. Jedes andere Verhalten meinerseits wäre, als Reaktion auf Unsägliches, sonst von strafrechtlicher Relevanz oder eine mutwillige Selbstverletzung.“