Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Zeitumstellung


"Hunde haben eine innere Uhr, denen ist es egal, was unsere Zeitzähler sagen. Und so standen wir heute Morgen anstatt um sechs schon um fünf auf dem Feld rum. Ich bin so tapfer und selbstlos."

"Frau Müller, mit wem reden Sie?"

"Ich huldige mir selbst. Macht ja sonst niemand."

"Oh, Madame hat heute das Krönchen auf. Das kann ja heiter werden."

"Weil ich so großzügig bin, dürfen Sie es nachher polieren. Aber erstmal reichen Sie mir den Kaffee rüber und stellen Sie bitte die Uhren um."

"Das machen die selbst, die Uhren."

"Ach? Die Digitalisierung frisst Arbeitsplätze."

"Keine Politik am Frühstückstisch. Das war die Abmachung!"

"Persönchen mit Krönchen halten sich an so manchem Wort fest. Gegebenes gehört meistens nicht dazu. Die Willkür der Macht." *allerliebstlächelnd

Und ewig grüßt das Frühstücksei


„Frau Müller, können wir jetzt endlich frühstücken?! Oder müssen Sie noch irgendwelche ausgesprochen wichtige, schon tausendmal wiederholte Statements in die Welt hinaus flöten?“

„Huch, wie sind Sie denn heute drauf? Schlecht geschlafen oder einfach nur übermütig? Fangen Sie doch einfach schon mit dem Frühstücken an.“

„Damit ich mir dann wieder stundenlang anhören muss, dass ich ein egoistisches Mannsbild sei, dass nicht mal fünf Minuten warten könne, um gemeinsam am Tisch zu sitzen? Nein Danke!“

„Aha! Vorauseilender Gehorsam! Dachte ich es mir doch. Schon mal was von dem Autoritären Charakter gehört? Erkläre ich Ihnen gerne.“

„Frau MÜLLER! Können wir nicht einfach mal frühstücken ohne moralisierende Vorträge und ganz normale Tischgespräche führen? So über Gartenarbeit, Einkaufslisten, Nachbarschaftstratsch?“

„Klar, können wir. Kann ich auch. Wussten Sie, dass es immer weniger Insekten gibt und dass in den Discountern immer öfters nur der Mindestlohn, der ja zum Sterben zu viel, zum Leben aber zu wenig ist, gezahlt wird? Ach ja, und der Junge von den Schröders ist jetzt auch in die AfD eingetreten. War ja abzusehen. Meinten Sie solche Gespräche? Können wir gerne ausbauen.“

„Ich gebe es auf.“

„Na na, wer wird denn gleich resignieren, Sir! Das ist doch keine Haltung! Wo bleiben denn da die Zivilcourage und der Widerstand! Das ist doch gefragt jetzt. Da können Sie sich doch nicht einfach wegducken! Rückgrat ist angesagt. Auch von Ihnen. Also wirklich. So, und jetzt lassen Sie uns endlich frühstücken, Sie brauchen wirklich immer ewig, bevor wir endlich beginnen können. Ich bin ja schon am Verhungern. Schmieren Sie mir am besten gleich zwei Brötchen. Danke!“

Klatschen


„Oma, es regnet!“
„Ja, Schatz.“
„Das war ich!“
„Was warst du?“
„Ich habe heute Morgen gesungen.“
„Ich weiß. Ganz Neuberg wurde wach davon.“
„So schön laut, ja.“
„Ja.“
„Und darum regnet es jetzt.“
„Ach?!“
„Ja, weil der Himmel kann ja nicht klatschen. Das wäre ja auch komisch. Darum schickt er Regen. Weil es ihm gefallen hat. Ist wie in die Hände klatschen. Nur eben himmelig. Klatscht halt auf dem Boden. Hörst du.“
„Na, denn. Dann solltest du wohl öfters singen."
„Mach ich doch. Versprochen!“

Hitze


"Na, keinen Kommentar zur Hitze heute, Frau Müller?"

"Ne, irgendwann muss auch Schluss sein mit der Jammerei."

"Also haben Sie sich mit den Temperaturen arrangiert?"

"Ein neuer Schritt in der Evolution. Anpassung! Verdunkelte Räume, kaltnasse Gewänder in minimalistischer Ausführung, Standleitung zum Wasserhahn, Verstand auf Standby."

"Klingt irgendwie nach Regression."

"Würde es. Vielleicht. Aber, es gibt ja Netflix und Mediatheken."

"Sag ich doch. Mutterbrustersatz oder gar Plazentanuckeln."

"Wäre es nicht so heiß, würde ich Sie jetzt durch Haus jagen und an die Wand nageln, Sir."

"Wie gut, dass es noch nicht abgekühlt ist."

"Halten Sie die Klappe und reichen Sie mir das nächste feuchte Tuch!"

Erkenntnis: Hitze + Sozialverträglichkeit = nicht kompatibel.

Das Ding mit dem lieb haben


„Spielen, Oma?“
„Nein.“
„Bütteeee!“
„Ist mir zu heiß.“
„Ich will aber!“
„Dann spiel doch. Ich will nicht.“
„Du bist gemein.“
„Okay.“
„Dann lieb ich dich jetzt nicht mehr!“
„Mach mal. Ich lieb dich.“
„Wenn ich dich nicht liebe, dann kannst du mich auch nicht lieben.“
„Doch, kann ich.“
„Das ist doch blöd!“
„Was?“
„Wenn ich dich liebe, dann liebst du mich. Wenn ich dich nicht liebe, dann liebst du mich auch.“
„Ja.“
„Richtig, richtig blöd!“
„Ne, das ist Liebe. Ist einfach so.“

KleinMadame grummelnd in der Ecke. War gespannt, was sie daraus machen würde.

Nächster Tag:

„Mein Bruder ist so anstrengend, Oma. Er macht mir als meine Sachen kaputt. Ich habe ihn dann halt nicht mehr lieb. Und manchmal muss ich ihn dann schubsen!“
„Ach?“
„Macht aber nix. Er liebt mich trotzdem.“
„Ja?“
„Und dann habe ich ihn auch wieder lieb. Weil er mich eben trotzdem lieb hat. Und er ist so süß, wenn ich ihn dann kuschele. Die Mama sagt, dass sei normal, dass man sich streitet und dann liebt. Und die Mama hat immer recht, auch wenn sie nicht recht hat.“
„Wie kommst du denn darauf, dass sie immer recht hat?“
„Na, weil sie doch die Mama ist!“
„Mamas können sich auch irren, Kind.“
„Ich lieb sie aber trotzdem!“

Welch zorniger Blick.

Sie ist auf dem richtigen Weg. Eindeutig.  

Gequatsche


„Du bist doch ein linksgrünversiffter Gutmensch!“

„Meinst du das negativ?“

„Klar!“

„So als Gegenteil zu dir?“

„Klar, ich bin das genaue Gegenteil von dir.“

„Also bist du ein Rechter. Dir geht die Umwelt am Arsch vorbei. Mit Unordnung und ein wenig Dreck kommste nicht klar. Du bist ein schlechter Mensch. Mensch biste aber, oder?“

„Du beleidigst mich gerade!“

„Nö, das bekommst du schon selbst ganz gut hin.“

Adäquates Gegenüber


„Frau Müller, es nervt!“

„Was denn?“

„Sie rennen seit den frühen Morgenstunden durchs Haus und zitieren lauthals und unmelodisch irgendwelche Texte.“

„Ich zitiere nicht, ich diskutiere!“

„Mit wem denn? Mit den Wänden, dem Fußbodenbelag oder dem Treppengeländer?“

„Ich diskutiere mit dem einzigen Wesen im Haus, das mir wirklich zuhört und nach dem dritten Komma im Satz nicht anfängt entnervt zu schielen. Jenes Wesen, das Zitate, die länger sind als ein Twitter Post, goutieren und mit ebensolchen antworten kann. Mit jenem Menschen, der meinen querliegenden Argumenten und sprunghaften Assoziationen folgen und deren Schönheit mit einem Lächeln begleiten kann, ohne sich darin zu verheddern.“

„Häh?“

„Genau. Das meinte ich.“